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Sorgenvoller Blick auf den Tagebau PDF Drucken E-Mail
Montag, 20. Oktober 2008

Lausitzer Rundschau, 20.10.2008

Sorgenvoller Blick auf den Tagebau

Calau
Das Klappern der Eimerkettenbagger und Surren der Bandanlagen rückt täglich näher an Neupetershain heran. Einwohner des Ortes befürchten, dass sich die Lärm- und Staubbelastung, die der anrückende Tagebau Welzow-Süd in die Gemeinde sendet, noch verstärken wird. Risse in den Hausfassaden beunruhigen die Menschen zusätzlich. Bei einer Informationsveranstaltung ist Betroffenen gesagt worden, dass sie eine Reihe von Beeinträchtigungen nicht schweigend hinnehmen müssen.

Um professionelle Hilfe gebeten

„Das Reißen der Fassade an meinem Elternhaus findet kein Ende. Im vergangenen Jahr haben wir zwei Gipsplomben gesetzt, die ein weiteres Auseinanderbrechen aufzeigen“, berichtet Petra Franz. Die im Münchener Baureferat tätige Diplom-Ingenieurin (FH) vermutet, dass die Beschädigungen auf die Einflüsse des hiesigen Braunkohleabbaus zurückzuführen sind. Mit einem Schadensersatzanspruch ist sie an Vattenfall Europe Mining & Generation herangetreten, bisher ohne Erfolg. „Ich wollte alles so nicht hinnehmen. Beim Stöbern im Internet bin ich auf Immekus gestoßen, einem unabhängigen Büro für Bergschadensfragen und Bodenbewegungen. Von dort erhoffe ich mir professionelle Hilfe“, sagt Petra Franz.

Eine Kontaktaufnahme mit dem Büro und das Wissen, dass mehrere Neupetershainer ähnliche Erfahrungen gemacht heben, gipfelten schließlich in dem Entschluss, einen Informationsabend zu organisieren.

„Mit Herzblut haben wir unsere Immobilien aufgebaut und müssen jetzt mit Lärm, Dreck und Staub leben“, sorgt sich Peter Müller. „Unsere Grundstücke erleiden einen massiven Wertverlust. Wer sein Anwesen, aus welchen Gründen auch immer, aufgeben muss, wird so schnell keinen Käufer finden“, ist er sich sicher. Der Rentner berichtet von 600 Metern, die sein Haus und den Schaufelradbagger SRs 6300 bei Endstellung noch trennen werden: „Für die Phase der Belastung sollten die Anrainer zumindest durch Steuerermäßigungen wie etwa bei der Grundstückssteuer, entschädigt werden“, bringt Peter Müller seine Erwartungen zum Ausdruck. In seinen Augen könnte die Informationsveranstaltung für „Aufbruchstimmung im Ort“ sorgen. „Bisher waren wir doch immer die dummen Schafe, die nur über ganz komplizierte Wege zu ihrem Recht kommen“, beklagt er.

Rechtsanwalt Joachim Schmidt unterstreicht, dass Leidtragende insbesondere bei aufgetretenen Schäden an ihren Häusern, Fragen stellen sollten, „zumal ja keiner weiß, wann das ein Ende findet“. „Wir wollen die Bewohner sensibilisieren, dass eventuell Sanierungsmaßnahmen an ihren Gebäuden bevorstehen, die nicht unerheblich sind“, betont der Jurist, dessen Kanzlei in Sachen Bergschäden unter anderem die Interessen einer Wohnungsbaugesellschaft in Weißwasser vertritt. „Ein Kampf gegen die vermeintlichen Verursacher kostet Geld“, sagt Joachim Schmidt und regt an, eine Bürgerinitiative ins Leben zu rufen. Als Einzelkämpfer hat man kaum eine Chance, stimmt ihm Dipl.-Bergingenieur Axel Diele zu. „Diagonalrisse an Gebäuden lassen auf Veränderungen im Baugrund schließen, die durch Grundwasseranstieg oder -absenkung hervorgerufen werden. Und genau das passiert vor und nach dem Kohleabbau“, so der Ogrosener.

Veranstaltung soll aufklären

Im Rahmen einer Nachfolgeveranstaltung soll noch einmal über das Erkennen, Anzeigen und Dokumentieren von Bergschäden aufgeklärt werden. „Wir gehen von einem Termin Anfang November aus“, bestätigt Peter Immekus vom gleichnamigen Bergschadenbüro in Bergheim. Der Freie Sachverständige musste den ersten Termin im Neupetershainer „Treff der Handwerker“ kurzfristig absagen.

Bei Bedarf kann beim kommenden Treffen ein Vertreter von uns hinzugeladen werden, erklärt Vattenfall-Sprecher Peter Fromm. „Über den Arbeitskreis Tagebau Welzow-Süd stehen wir ohnehin im ständigen Kontakt mit der Gemeinde. Sollten Probleme auftreten, können sich Betroffene auch an die zuständigen Abteilungen in unserem Unternehmen wenden“, sagt er gegenüber der RUNDSCHAU.

„Man ist endlich mal gezielt informiert worden. Die Neupetershainer sollten sich nicht widerstandslos in ihr Schicksal fügen“, resümiert eine Besucherin.


Uwe Hegewald

 
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