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Neupetershainer zeigen Bergschäden die Stirn Lausitzer Rundschau, 25.11.2008 Das Interesse an den Informationsveranstaltungen zum Thema Bergschäden in Neupetershain reißt nicht ab. Nur wenige Plätze im Treff zum Handwerker sind diesmal leer geblieben. Dort hatten Einwohner, Sachverständige und Vertreter von Vattenfall Europe bei einer lebhaften Gesprächsrunde über die Beeinträchtigungen im Ort diskutiert, für die von vielen der anrückende Tagebau Welzow-Süd verantwortlich gemacht wird.
"Unsere Grundstücke und Immobilien haben immens an Wert verloren. Das gesamte Ortsbild wird vom anrückenden Tagebau geprägt", beklagte Petra Franz. Für die Initiatorin der Infoabende scheint in Neupetershain die Zeit im Jahr 1989 stehen geblieben zu sein. Häuser verwaisen, Investoren meiden den Ort, und Hausbesitzer sind gezwungen, hierzubleiben, weil sie ihre Immobilie nicht loswerden, hallte es aus den Reihen der Einwohner. Hinzu komme, dass einzelne Häuser verstärkt Risse aufweisen. Betroffene sehen im Tagebau einen potenziellen Verursacher der Schäden.
Wie kompakt sich die Rissbildung an Gebäuden darstellt, erfuhren die Teilnehmer von Peter Immekus. Der Sachverständige für Bergschäden informierte anhand von Lichtbildern über die Ursachen, das Erkennen, Entgegenwirken sowie das Ausbessern von Rissen und von den Schwierigkeiten, diese als Bergschäden anerkannt zu bekommen. Das Gesamtbild der Brüche ist entscheidend, Risse sollten innen wie außen erkennbar sein, bemerkte er und mahnte: Sie als Betroffene sind gegenüber dem möglichen Verursacher in der Beweislast.
Der Leiter eines unabhängigen Büros für Bergschadensfragen und Bodenbewegungen in Bergheim (Nordrhein-Westfalen) hat ein Vier-Punkte-Papier ausgearbeitet, in dem er Vattenfall bei der Bergschadenregulierung zu mehr Transparenz auffordert. Punkt 1: keine Ablehnung vom Schreibtisch aus. Punkt 2: Herausgabe aller Daten, die für ein oder auf dem Grundstück erfasst werden. Punkt 3: Offenlegung von Störungsinformationen. Punkt 4: entgegenkommende Kostenübernahme für fachliche Vertretungen. Darüber hinaus sei über die zunehmende Lärm- und Staubbelästigung zu befinden.
"Wir verlangen, dass Vattenfall alles unternimmt, was ein Leben am Tagebaurand erträglich macht", setzte Petra Franz unter dem Beifall der Gäste nach. Unter ihnen war auch eine Gruppe aus dem zwei Kilometer entfernten Welzow. "Wir suchen den Schulterschluss mit unseren Nachbarn. Die Probleme, mit denen Neupetershain zu kämpfen hat, decken sich mit denen, die auch uns bewegen", fügte Dr. Günter Seifert vom Bürgerforum Stadtumbau Welzow hinzu.
Mit Gegendarstellungen bemühte sich Joachim Kretschmer, Handlungsbevollmächtigter von Vattenfall Europe, die Diskussion zu entschärfen. "Wir sind bestrebt, die Staub- und Lärmbelästigung für die Anwohner so gering wie möglich zu halten. Bei Ausnahmewettersituationen sind aber auch uns die Hände gebunden", betonte er. Ferner unterstrich der Leiter Bergschäden/Bauwesen, dass Vattenfall bei den Untersuchungen von Gebäudeschäden sehr gründlich sei. Joachim Kretschmer: "Wird ein solcher angemeldet, übernimmt Vattenfall die Kosten, bis die Untersuchungen abgeschlossen sind."
Seit 1990 seien beim Bergbauunternehmen rund 3000 Bergbauschadensanmeldungen eingegangen. Laut Kretschmer sind davon 40 Prozent anerkannt und reguliert worden. 60 Prozent hat der Bergbaubetreiber als unberechtigt eingestuft und abgelehnt. "Von rund einem Dutzend nachfolgenden Prozessen haben wir keinen einzigen verloren", bemerkte er. „Dass nicht mehr Leute vor Gericht gezogen sind, zeigt die Frustrationshaltung der Betroffenen“, erwiderte Peter Immekus.
Viele scheuen sich, den letzten Schritt zu gehen. Sie sind der Auffassung, dass die großen Konzerne mit ihren finanziellen Mitteln ohnehin am längeren Hebel sitzen, so der Sachverständige, der zu einer Fortsetzung der Informationsveranstaltungen aufrief. Diese sollten in einzelne Schwerpunktthemen gegliedert werden. Petra Franz bekräftigte, dass dazu auch Gemeindevertreter aus Neupetershain und Vertreter der Amtsverwaltung Altdöbern willkommen sind.
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