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Lausitzer Rundschau, 27.11.2008 Bergbaugeschädigte wollen gemeinsam Front machen Das Hotel Kristall, das Autohaus Glona, die Häuser Berliner Staße 109 und Lausitzer Straße 1 und vermutlich noch einige mehr entlang der Straßenzeile in Richtung Halbendorf, sie haben eines gemeinsam – Risse im Mauerwerk, die sich um das Jahr 2003 gebildet haben und weiter wachsen. Dass es sich dabei um Auswirkungen des Tagebaus Nochten handelt, der nur wenige Kilometer weiter an Weißwasser vorbeizieht, liegt für die Hauseigentümer nahe. Den Beweis gegenüber dem Bergbauunternehmen Vattenfall müssen sie selbst antreten. Während Vattenfall aber jeden Schadensantrag als Einzelfall behandelt, wollen betroffene Weißwasseraner künftig gemeinsam für eine Entschädigung kämpfen.
Die Lausitzer Straße 1 ist ein schmuckes Wohn- und Geschäftshaus, ein Eckgebäude an der Berliner Straße. Obwohl 105 Jahre alt, macht das Haus – frisch verputzt und gestrichen eine freundlichen Eindruck. Wer aber genauer hinsieht, erkennt die Risse in der schicken Fassade. Noch stärker als an der Vorderseite, zeigen sich die Schäden auf der Hofseite mit abgeplatzten Putz-Stücken und klaffenden Spalten – als würde sich der Riss durchs Gebäude ziehen. "Das tut er auch", bestätigt Hauseigentümer Sven Schmied. "Die eine Hälfte des Hauses reißt ab. Dort, wo sich vermutlich der Boden gesenkt hat." Schmied hat eine logische Erklärung für das, was hier passiert: Um den Tagebau Nochten trocken zu halten, wird dort der Grundwasserspiegel erheblich abgesenkt. An jedem Brunnenriegel am Tagebaurand werden etwa 800 Kubikmeter Wasser pro Stunde herausgepumpt. "Das kann jeder an den Zählern ablesen, die sich dort drehen, sagt Schmied" In der Folge sinkt der Grundwasserspiegel nicht nur im Tagebau, sondern auch in dessen Nachbarschaft – Brunnen und Teiche verlieren Wasser, den Bodenschichten wird Feuchtigkeit entzogen, sie trocknen aus und sacken nach – mit allem, was drauf steht beziehungsweise darauf gebaut wurde. Wenn sich auch das Haus Lausitzer Straße 1 auf diese Weise abgesenkt hat und das Mauerwerk durch diese Bewegung gerissen ist, dann wäre dies wohl als ein Bergbauschaden einzustufen und Vattenfall müsste dafür haften. Doch mit der Anerkennung solcher Schäden tut sich das Unternehmen schwer. Jeder Antrag werde einzeln behandelt, heißt es auf Anfrage immer wieder. Und selten gelangt es daher in die Öffentlichkeit, wenn einmal wirklich ein Antragsteller entschädigt wurde, in welcher Weise und Höhe. Auch abschlägige Bescheide gibt es von Vattenfall. Die Wohnungsbaugenossenschaft Weißwasser GmbH beispielsweise hat für die Karl-Liebknecht-Straße 33, ein Nachbargebäude des Hotels Kristall, einen bekommen und will jetzt gegen Vattenfall klagen. Auch Sven Schmied hat eine solche Ablehnung in seinen Unterlagen. Ebenso das Protokoll über Messungen, die eine Tochterfirma von Vattenfall auf seinem Grundstück vorgenommen hat. Laut diesem hat sich der Boden im ganzen Messzeitraum keinen einzigen Millimeter bewegt. "Dass kann kaum sein, denn die Risse haben sich in der gleichen Zeit sehr wohl vergrößert", meint Schmied, der sich von Vattenfall lediglich hingehalten fühlt. Er weiß immerhin: Würde er auf den abschlägigen Bescheid nicht rechtzeitig reagieren, wäre sein Schadensersatzanspruch in fünf Jahren wohl erloschen. Wie ihm geht es einer ganzen Reihe anderer Betroffener, da ist sich Sven Schmied sicher. Erste Gleichgesinnte hat er bereits gefunden, die mit ihren Zweifeln und ihrem Ärger nicht länger "Einzelfälle" bleiben wollen. Sie werden am Freitag, 28. November, in der "Alten Schmiede" eine Bürgerinitiative der Bergbaugeschädigten gründen. Zu der Veranstaltung um 17 Uhr sind alle Interessierten eingeladen. "Unser Ziel ist es, so viele Betroffene wie möglich an einen Tisch zu holen, Kräfte und Informationen zu bündeln und ein gemeinsames Vorgehen zu organisieren", sagt Schmied. "Wenn wir viele sind (vielleicht 50 bis 100), dann wird sich Vattenfall bald mit zu uns an den Tisch setzen und sich zu seiner Verantwortung bekennen. Es kann doch nicht sein, dass hier reihenweise Privateigentum vernichtet wird. Es ist ohnehin schwierig, in dieser Gegend ein Haus zu verkaufen, aber mit diesen Schäden wird das für den Eigentümer so gut wie unmöglich." Die Unterstützung der Wohnungsbaugesellschaft habe man. Sagt Schmied. Von ihrer Klage erhoffe man sich, dass sie Modellcharakter für weitere haben wird. Auch der Verein "Zukunft aktiv gestalten" (ZAK), der in diesem Jahr seine Beteiligung in der AG Vattenfall durchgesetzt hatte, steht der Bürgerinitiative beiseite, bietet ihr sogar die Aufnahme in den Verein an. "Wir wollen außerdem Bauplaner und -statiker und Juristen für uns gewinnen", erklärt Sven Schmied. Einen im Bergbaurecht kundigen Rechtsanwalt aus dem Ruhrgebiet habe man schon interessieren können. Er wird am Freitag in der "Alten Schmiede" dabei sein und über Möglichkeiten informieren, wie Betroffene ihre Schadensersatzansprüche gegenüber dem Bergbau durchsetzen können. Von Thoralf Schirmer |