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Lausitzer Rundschau, 13.02.2008 In Zerre sorgen nasse Keller und Felder für Ärger – der Grund ist umstritten Mit dem Wasser steigt die Verzweiflung Für Reis oder Baumwolle wäre das Feld vielleicht noch zu gebrauchen. Für ihr Gedeihen ist stehendes Wasser vonnöten. Die Triticale, die im vorigen Jahr auf den 14 Hektar am Rand von Zerre angebaut worden ist, ist dagegen verloren. Zweimal sanken die schweren Erntemaschinen ein, am 15. Juli und am ersten August. Die Pflanzen, eine Kreuzung aus Roggen und Weizen, sind verloren. «So etwas hat es hier noch nicht gegeben» , sagt Siegmar Kugler. Er ist stellvertretender Ortsvorsteher und Mitglied der Spreetaler «Wassergruppe» , die im Auftrag des Gemeinderates den Grundwasseranstieg in der Gemeinde beobachtet und dokumentiert.
Zu ihr gehört auch Richard Teuchert. Er blickt aufs Feld und sagt: «Man hat geglaubt, dass hier nichts passiert.» Nun steht das Grundwasser aber auch in Zerre so hoch, dass es Probleme macht. Und mit seinem Pegel steigt die Verzweiflung der betroffenen Menschen. Christa Trapp wohnt in der Dorfstraße 23. Sie betritt ihren Keller nur noch mit Gummistiefeln. Ihr Nachbar Detlef Paech muss am Tag fünf Mal die Pumpe anwerfen. In gut vier Stunden laufen in seinem Keller 230 Liter Wasser zusammen. Er hat einen Brunnen im Hof. Mit seiner Hilfe kann man ausrechnen, dass der Grundwasserstand derzeit 32 Zentimeter oberhalb des Kellerfußbodens liegt. Und da Wasser ziemliche Kraft besitzt, hat Detlef Paech inzwischen Risse im Fußboden. «Das Gebäude steht unter zusätzlichem Druck» , erklärt Richard Teuchert. Paechs Nachbar Sepp-Dietrich Matthiae hat Angst um seine Ölheizung im Keller. Wie soll er heizen, wenn er sie ausbauen muss« Den ersten Wassereinbruch gab es bei ihm am 21. Januar. Vor einigen Tagen hat er sich für mehr als 600 Euro Pumptechnik installieren lassen. Ob das langfristig reicht, weiß keiner. «Es gibt die Tendenz, dass das Wasser im halben Jahr um 20 Zentimeter steigt» , weiß Richard Teuchert aus den Messungen der «Wassergruppe» . Und aus Unterlagen für die Erweiterung der Papierfabrik in Schwarze Pumpe weiß er, dass dort mit einem Anstieg um bis zu zwei Meter gerechnet wird. «Das hat auch hier Auswirkungen» , ist sich Teuchert sicher. Er weist darauf hin, dass das Grundwasser in Zerre derzeit schon über Vorbergbau-Niveau liegt. Ist die Ursache die Spree»
«Das Ganze ist dramatisch» , sagt Spreetals Bürgermeister Manfred Heine (parteilos), der die Lausitzer- und Mitteldeutsche Bergbauverwaltungsgesellschaft (LMBV) eindringlich gebeten hat, sich der Sache anzunehmen: «Mir wurde mitgeteilt, dass sofort mit der Suche nach den Ursachen begonnen wird.» Christa Trapp hat schon im vorigen Sommer an die LMBV geschrieben, kurz nachdem sie den ersten Wassereinbruch hatte. Außer einer Eingangsbestätigung hat sie bislang aber keinerlei Reaktion gespürt. LMBV-Sprecher Uwe Steinhuber sagt, man habe die Sache geprüft: «Dabei musste festgestellt werden, dass die betroffenen Flurstücke bisher nicht vom Betriebsplan Folgen des Grundwasserwiederanstiegs erfasst werden und damit grundsätzlich außerhalb des Grundwasserwiederanstiegs-Trichters liegen.» Behörden-Termin anberaumt
Im Klartext heißt das wohl: Die LMBV glaubt nicht, dass die zunehmende Nässe mit dem Ende der künstlichen Grundwasser-Absenkung nach dem Auslaufen des Bergbaus zu tun hat. «Es kann nicht mit Sicherheit ausgeschlossen werden, dass es sich nur um natürliche Beeinträchtigungen der Spree in deren Auenland handeln könnte» , sagt Uwe Steinhuber. Man sei dennoch auf Bitten von Bürgermeister Manfred Heine mit der Erstellung einer Flurabstandskarte befasst und werde dann darauf aufbauend weitere Untersuchungen anstellen. Sicher ist, dass es vor dem Bergbau keinen Ärger mit nassen Kellern gab. Gerhard Leinhos von der Wassergruppe weist darauf hin, dass die betroffenen Häuser um die 100 Jahre alt sind: «Die Leute hätten sie doch sicher nicht ins Wasser gebaut.» Und Richard Teuchert hat zwar eine Karte von 1846, auf der zahlreiche, nicht mehr existente Entwässerungsgräben eingezeichnet sind, sagt aber: «Der Wasserstand in der Ortslage ist höher als in den ehemaligen Gräben.» Die Wassergruppe schlägt dennoch vor, sie wieder herzustellen. Zudem soll getestet werden, ob es hilft, wenn das Trattendorfer Wehr «gezogen» wird. Es staut nämlich nicht nur die Spree, sondern in der Folge auch das Grundwasser in der Nachbarschaft des Flusses. Ein weiterer Vorschlag ist die Wiederinbetriebnahme der Wiesenpumpe am Spreeufer, die seit gut 15 Jahren nicht mehr arbeitet. «Wir müssen einen definiert zulässigen Grundwasserstand haben, den wir mit Hilfe technischer Mittel halten» , sagt Richard Teuchert. Zum Ende des Monats soll eine Behördenrunde zusammenkommen, um das Problem und mögliche Maßnahmen zu besprechen. Bei Christa Trapp und ihren Nachbarn steigt das Wasser währenddessen weiter. Sie hat einen zweiten Brief an die LMBV gerichtet. Darin ersucht sie wenigstens um eine Antwort. Sie hat eine Frist von zehn Tagen gesetzt.  | | Zum Thema Grundwasser-Anstieg in der Gemeinde Spreetal | Erste Berichte über nasse Keller gab es 2006 aus Burghammer. Schäden gibt es inzwischen in den sechs Ortsteilen Burg, Burghammer, Burgneudorf, Neustadt, Spreewitz und Zerre. Nicht betroffen ist nur Spreetal. Bauten leiden unter anderem unter Rissbildungen, Durchfeuchtungen und Leitungsschäden. Kläranlagen sind ebenfalls betroffen. Sie müssen eigentlich einen Abstand von mindestens 1,50 Meter zum Grundwasser haben. Vor einem Jahr waren bereits 70 Fälle von nassen Kellern gemeldet, weitere 136 galten als akut gefährdet, darunter auch 43 in Zerre. Kommunale Einrichtungen gelten ebenfalls als gefährdet, etwa der Friedhof in Burghammer, die Turnhalle am Sportplatz in Burgneudorf oder das Gelände des Hundesportvereins in Spreewitz. Gefahr droht nach Angaben der «Wassergruppe» ebenso Mastfundamenten, Bahndämmen und Trinkwasserleitungen. Die Gartensparte «Kleine Spree» in Burghammer musste wegen des Grundwasseranstiegs voriges Jahr vorsichtshalber abgerissen werden. Zu Eigeninitiative bei Erfassung, Dokumentation und Meldung von Schäden rät die Gemeindeverwaltung Spreetal. Mit Hilfe von Fragebögen wurde im vorigen Jahr eine Bestandsaufnahme versucht. Bergschadenanzeigen sollen geschickt werden an das Sächsische Oberbergamt, Kirchgasse11, 09599 Freiberg beziehungsweise an die LMBV, VS 5 / Herrn Bundesmann, Knappenstraße 1, 01968 Senftenberg. Hilfe erhofft sich die «Wassergruppe» unter anderem durch Gräben, Drainagen und Schöpfwerke. Sie rechnet mit 4,3 Millionen Euro Investitionskosten. Hausanhebungen oder Neubauten wären wohl viel teurer. Gegenmaßnahmen seitens der LMBV sind für sieben Häuser in Burghammer sowie in Spreewitz-Ausbau angekündigt. Hoyerswerda wird durch ein 20 Millionen Euro teures System aus Brunnen, Gräben und Rohren geschützt. |  | von Mirko Kolodziej |